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  • Julia D. Krammer

DAY#18 THE DIARIES OF C // PANDEMIE-PANORAMA

Aktualisiert: März 31

vulgo: Jules and the cats, eine Heimtragödie möglicherweise 30 Akten.

Seltsame Dinge geschehen. Ich korrigiere: die Dinge, die passieren, werden immer rätselhafter.

Begonnen hat es damit, dass die Katzen seit einer Woche schon um 16:00 Uhr ihr Abendessen begehren. Ein schleichender Prozess, wieder einmal. Habe mich auch in diesem Aspekt an sie angepasst und die Fütterungszeit von 17:00 auf 16:00 vorverlegt.

Sonntag hat mich der Wecker um 8:00 Uhr aus der REM-Phase gerissen, ein grauenvoller Moment, schon lange nicht mehr da gewesen: Mein Biorhythmus ist nämlich auf nullsiebenhundert Tagwache programmiert (ganz ohne Wecker), seit ich Schriftstellerin bin und dem Klischee anhänge, dass MORGENSTUND‘ GOLD IM MUND* hat. *Für die, die das Klischee nicht kennen: „Man schreibt nur am Morgen richtig gut“.

Außerdem scheine ich die Anwesenheit von Menschen nicht mehr zu ertragen. Sie bereitet mir Kopfschmerzen. So geschehen zuletzt am Samstag Abend, nachdem ich einen ganzen Tag lang (zwar mit 2 m Sicherheitsabstand, aber dennoch über einen längeren Zeitraum hinweg) mit Personen zusammen war und mich UNTERHALTEN HABE. Gemeinsam mit der Tatsache, dass ich die Essensreste und sonstigen Müll mittlerweile einfach auf den Küchenboden werfe und dort liegen lasse (was den Katzen und mir zusätzlichen Aufwand erspart), dem Gesicht-kratz-Tick und dem Husten im öffentlichen Raum ergibt das ein Sammelsurium an Skurrilitäten, die wohl nicht mehr als charmante Eigenheiten durchgehen werden, wie ich befürchte. Nicht einmal bei einer Autorin.

Die Kopfschmerzen waren auch am Sonntag noch präsent und hatten insgesamt zwei volle Tage der Bettlägerigkeit zur Folge. Abgesehen davon, dass ich die Anwesenheit von Menschen (wie oben erläutert) einfach nicht mehr aushalte, könnten folgende Gründe dafür vorliegen:

a) Ich habe mich bei einer Freundin mit DESPERADOS (Schwester-Virus von Corona, Symptome ähnlich einem Migräneanfall) angesteckt. Übertragung auch bei Einhalten des Sicherheitsabstandes von 2 m möglich; bloßer optischer Reiz reicht aus. Die Freundin war übrigens Patientin X. Ich sag es nur vorsichtshalber jetzt schon, nicht, dass es dann heißt, ich hätte die nächste Epidemie losgetreten…

b) Es war Zeitumstellung.

Fuck. Es war ja Zeitumstellung. (Übrigens neben dem Wetter das beliebteste Thema der Österreicher*innen, wenn man Umfragen glauben darf). Deshalb wollten die Katzen schon um 16 Uhr ihr Futter! Bei denen liegt das noch in der Natur. Dass Zeitumstellung war, habe ich tatsächlich nur durch einen glücklichen Zufall (das Lesen eines anderen Corona-Tagebuchs) herausgefunden. Hätte mir eigentlich schon klar werden müssen, nachdem mich der Wecker aus der REM-Phase gerissen hat.

Obwohl ich kaum etwas selbstverliebter finde, als diese neuerdings in Büchern vorzufindenden Floskeln à la „Meine Lektorin hat gesagt..., mein Lektor sagt...“, muss ich es jetzt selbst tun, liebes Tagebuch, einfach der Vollständigkeit halber: Meine Lektorin hat mir heute erzählt, dass es Zeit wird, Arbeitsaufträge an ihre Schützlinge zu verteilen, weil diese mittlerweile zu viel Zeit hätten: Täglich bekomme sie ein Kochrezept von einer Autorin zugeschickt. Mein Buch liegt als nächstes auf ihrem Schreibtisch. Wir beide haben vereinbart, dass sie mir ohne Kommentar ein Muffinrezept schicken wird, falls sie es schrecklich findet – als Codewort, sozusagen; dann muss sie meine Gefühle nicht verletzen. Finde, das ist eine gangbare Form der Literaturkritik. Hoffe trotzdem, dass sie mir stattdessen einen Arbeitsauftrag schickt. Wenn die Alternativen schlecht genug sind, freut man sich doch tatsächlich auf die Überarbeitungsphase, und von Muffins mag ich sowieso nur die Kruste/obere Hälfte…

Apropos Kochrezept: Nun hat auch mich der coronare Back-Wahn ereilt. Habe heute zum ersten Mal Bananenbrot gebacken und wollte meinem Bruder ein Stück davon schicken. Er meinte mehrfach, das könne ich mir sparen, es sei ja doch nur infisziert (er hat extra infiSziert gesagt, mir zuliebe, das mag ich nämlich genau so gern wie Dativ-/Genitiv-Verirrungen). Die Wahrheit kam kurz darauf ans Licht, seine Freundin hat nämlich heute auch zum ersten Mal Bananenbrot gebacken. Und offensichtlich gab es bei ihm im Büro auch zu Mittag welches, weil eine Arbeitskollegin es anlässlich ihres Geburtstags mitgebracht hat. Warum zum Teufel backen heute alle Bananenbrot? Geht’s noch? Ist das der neue HEINEKEN-Infekt, der sich zu Corona und Desperados gesellt? Na, immer noch besser als Muffins von der Lektorin…


#corona #coronadiaries #wortklang #kochrezept #ArtInQuarantine #writerslife



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