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  • Julia D. Krammer

DAY#27 THE DIARIES OF C

Aktualisiert: Apr 12

vulgo: Jules and the cats, eine Heimtragödie in einfach nur 30 Akten.

Seit Tagen ist meine Mutter damit beschäftigt, eine Möglichkeit zu finden, um meinen Bruder und mich an Ostern zu sehen (die Hasensuche ist ihr sehr wichtig). Ihre größte Sorge besteht darin, dass wir auf dem Weg von Wien nach Niederösterreich von der Polizei einkassiert und zu Strafzahlungen verdonnert werden könnten, deshalb überlegt sie sich Ausreden und Entgegenhaltungen für uns, die wir vor den Katzen einüben und authentisch präsentieren sollen (neulich mussten wir ihr die besten Ergebnisse per Video präsentieren). Von der Pflege einer armen, alten Person über Einkaufslieferungen und Zweitwohnsitze, an denen Wasserrohrbrüche vorgefallen sein könnten und Stromausfälle grassierten, ist alles dabei.

So finden sich in unserer Whatsapp-Gruppe nun Textierungsvorschläge für den Fall der Fälle und mein Bruder schreibt darauf genervt, dass wir in Österreich noch nicht in der Diktatur angekommen seien, meine Mutter solle sich entspannen. Ich bin mir da nicht so sicher und werde den Meldezettel, der mich als Nebenwohnsitzniederösterreicherin ausweist, sicherheitshalber mitführen. Mama meinte übrigens, die Sache mit dem Stromausfall und dem Wasserrohrbruch sei „meine Rolle“, da würde ich ganz groß rauskommen. Authentizität ist der Schlüssel, sage ich da nur (und alle, die mein Stelzenhaus in Tulln kennen, wissen, warum…).

Aber auch ganz grundsätzlich habe ich an mir einen überproportionalen Anstieg krimineller Energie bemerkt. Tendenzen waren immer schon spürbar, deshalb auch das Jus-Studium, man muss sich ja wieder rausholen können aus den Schlingen, die man sich versehentlich um den Hals gelegt hat.

So treffe ich nun täglich eine Freundin zum illegalen Spaziergang (manchmal haben wir eine Flasche Bier dabei, das ist ja fast schon eine Corona-Party) – notwendige Psychohygiene, um nicht völlig durchzudrehen, wenn diese Situation irgendwann vorbei ist und ich mich der Resozialisierung stellen muss. Und wieder ist sie da, die Frage nach der Quantifizierbarkeit, diesmal nach der Quantifizierbarkeit von Krankheitssymptomen: Lungenerkrankung versus schizoide Störung/pathologische Paranoia/Misanthropie…

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